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Autor werden ist doch ganz leicht - oder?

Diese Folge als Audio-BLOG anhören:

»Nun, da sich der Vorhang der Nacht von der Bühne hebt, kann das Spiel beginnen, das uns vom Drama einer Kultur berichtet.«

(Die Fantastischen Vier, MfG, 1999)

 

Ort des Geschehens: eine beliebige Facebook-Gruppe für Schriftsteller, ein Forum für Nachwuchsautoren oder ein Treff für junge Schreibbegeisterte. Enthusiastische Menschen verkünden dort voller Vorfreude, ihr Meisterwerk endlich fertiggestellt zu haben, und erklären, dass sie es nach all den beschwerlichen Monaten und Jahren der Arbeit an einen Verlag schicken. Die große Karriere, der große Erfolg steht unmittelbar bevor – glauben sie zumindest. Denn ihrer Überzeugung nach warten die Lektor*Innen der besagten Verlage sehnsüchtig darauf, dieses eine, dieses außergewöhnliche Manuskript endlich in Händen halten und daraus einen Bestseller machen zu können. Um einen Beweis ihrer bedingungslosen Hingabe an das Thema mitzuliefern, reden sie sich ihre Gefühle von der Seele: Wie sehr sie Literatur lieben, wie viel Herzblut in jeder Zeile ihres Werkes steckt, wie viel Angst sie vor einem Scheitern haben (aufgrund des vorgenannten Herzblutes) und wie viel ihnen der Erfolg des Buches auf ihrem weiteren Lebensweg helfen würde. Flehende Gebete an die Mächtigen der Literaturwelt schimmern zwischen diesen Zeilen hindurch, sie mögen doch milde gestimmt sein und dem Buch eine faire Chance geben.

 

Solche oder ähnliche Gespräche habe ich zuhauf miterlebt, mal im realen Leben, mal in der digitalen Welt. Sie hatten alle eine Gemeinsamkeit: Viele junge Autorinnen und Autoren haben eine völlig falsche Vorstellung davon, wie der Literaturbetrieb funktioniert und was es heißt, Autor zu sein. In ihren Köpfen existiert das Bild von Verlagshäusern, in denen Lektoren wie traurige Hunde vor Fensterscheiben sitzen und sehnsüchtig auf neue Manuskripte warten. Sie glauben, dass sich Verlage darüber freuen (oder es zumindest begrüßen), wenn ihnen ein Manuskript zugeschickt wird. Streng nach dem Motto: Verlage sind Literaturförderungsanstalten, die gut gelaunte und bücherliebende Menschen beschäftigen und nach talentiertem Nachwuchs suchen.

 

Entspricht das der Wahrheit? Zumindest in Ansätzen? Zumindest ein bisschen?

 

Ein Teil der Antwort ergibt sich bereits, wenn man sich die Impressen der großen Verlagshäuser ansieht. Nehmen wir RandomHouse als Beispiel, einen Verbund von 47 Einzelverlagen (Stand: 2019), zu denen so berühmte Namen wie Goldmann, Heyne oder Blanvalet gehören. Dort steht das Kürzel »GmbH«. RandomHouse ist also eine Kapitalgesellschaft. Es handelt sich nicht um einen Verein, nicht um eine gemeinnützige Organisation oder wohltätige Gemeinschaft, es handelt sich um ein Unternehmen, welches Geld verdienen will (und muss), um zu überleben. Ein Verlagshaus ist ein Händler, der Produkte herstellt und anschließend an seine Kunden verkauft, um Gewinn zu erwirtschaften. Dass es sich bei diesen Produkten um »Kunstobjekte« handelt, ist nebensächlich und hat keinerlei Auswirkung darauf, wie sie gehandelt werden – nämlich als Konsumprodukte.

 

Auf dem Film- und Musikmarkt erleben wir schon seit Jahren einen ähnlichen Trend: War es in den Siebzigern und Achtzigern des letzten Jahrhunderts ein Statussymbol, eine bestimmte Schallplatte oder einen Film sein Eigen zu nennen, ist es heute vollkommen normal und alltäglich, fast schon banal. Musik und Filme werden »gestreamt«, Plattformen wie Netflix & Co. bieten Unmengen von Serien für kleines Geld an. Mit anderen Worten: Bei der Kunst der Gegenwart geht es oftmals um bares Geld und nicht um emotionale, gesellschaftliche oder spirituelle Werte.

 

Auf dem Buchmarkt kommen noch zwei weitere, erschwerende Faktoren hinzu, nämlich eine monströs große Konkurrenz zwischen den einzelnen Verlagshäusern sowie eine stetig sinkende Leserschaft. Die Anzahl an Menschen, die Bücher kaufen und lesen, fällt nachweislich seit Jahren (mehr dazu hier). Dadurch verschärfen sich die Bedingungen für alle Beteiligten. Jeder Verlag, der ein ernst zu nehmendes Interesse daran hat, nicht unterzugehen, muss so wirtschaftlich und kostensparend wie möglich arbeiten. Wer bei Google »Verlagsinsolvenzen der letzten Jahre« als Suchbegriff eingibt, bekommt eine ziemlich lange Liste, die beileibe nicht nur unbekannte Namen enthält. Massive Konkurrenz, sinkende Kundenzahlen, völlige Übersättigung, all das setzt der Verlags- und Literaturbranche enorm zu.

 

»Aber das heißt doch im Umkehrschluss«, wenden manche Autor*Innen ein, »dass Verlage händeringend nach guten Manuskripten suchen, die sie verkaufen können. Sie suchen nach Büchern, die Erfolg versprechen.«

 

»Ja«, lautet meine Antwort. »Aber ...!«

 

Für den Begriff des »erfolgreichen Buches« gibt es keine Geheimformel. Kein Rezept. Es existieren zwar handwerkliche und qualitative Regeln, die man tunlichst befolgen sollte, um seine Leserinnen und Leser nicht zu vergraulen, aber eine Garantie für den Erfolg eines Buches hat man dadurch nicht. Literatur ist eine hochgradig subjektive, vom individuellen Geschmack und von gesellschaftlichen Trends geprägte Sache. Ein Buch kann brillant geschrieben sein und dennoch floppen, weil es einfach nicht das Interesse der Leserschaft weckt. Bei mir wären das beispielsweise historische Romane – also alles, was mit dem Mittelalter zu tun hat – oder kitschige Liebesschnulzen. Damit kann man mich jagen, möge es noch so gut geschrieben sein. Ein Verlag geht mit jedem neuen Buch ein enormes finanzielles Risiko ein, besonders wenn es von einem neuen und (in vielen Fällen) gänzlich unbekannten Autor stammt. Niemand kann garantieren, dass es ein Erfolg werden wird und auch nur ansatzweise das Geld einspielt, welches es kostet. Lektorat, Satz, Coverdesign, Vertrieb, Werbung, ... all das ist teuer. Damit es sich am Ende lohnt und rechnet, muss sich ein Buch möglichst vom Fleck weg in möglichst großen Stückzahlen verkaufen. »Wie geschnitten Brot«, würde man umgangssprachlich sagen. Bei völlig neuen Autoren ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, sehr gering. Etablierte Autoren haben einen Vertrauensvorschuss bei ihrer Leserschaft, der zum Kauf des zweiten, dritten, vierten Bandes animiert. Doch neue Autoren? Die müssen sich dieses Vertrauen erst noch verdienen.

 

»Okay«, kommt hier der nächste Einwand. »Wenn ich also ein Buch schreibe, welches vom Thema und Genre her den Interessen möglichst vieler Menschen entspricht, dann müsste ich damit Erfolg haben, richtig?«

 

Erneut lautet die Antwort: »Ja, aber ...!«

 

Selbstverständlich ist es eine clevere und nicht von der Hand zu weisende Idee, auf den fahrenden Zug aufzuspringen, sich die beliebtesten Themen und Genres herauszupicken und dann in diese Richtung zu schreiben. Nur ändert das nichts an dem Grundproblem des fehlenden Vertrauens. Nach wie vor ist der Autor oder die Autorin nahezu unbekannt. Warum sollte ein Buchkunde genau DIESES Buch kaufen und kein anderes? Was macht es so außergewöhnlich? Hinzu kommt: Durch das bloße »Nachahmen« der Themen und Schreibstile bekannter Autor*Innen versinkt man quasi »in der Masse«. Man wird einer von vielen, hat kein Profil, keinen Wiedererkennungswert, nichts, was einen besonders macht oder von anderen Autoren abhebt. Es gibt in diesem Zusammenhang ein schönes Sprichwort: »Weshalb sollte man sich mit der Kopie zufriedengeben, wenn man das Original haben kann?« Das trifft es ganz gut.

 

Aus diesem Grund halten sich Verlage eine Art Stammbelegschaft von Autor*Innen, die erwiesenermaßen Bücher mit hohem Verkaufsanteil schreiben. Sie sind die »Cash Cows«, wie man im Englischen etwas despektierlich sagt, die »Milchkühe«, die gutes Geld erwirtschaften. Verlage halten an diesen fest und planen sie teilweise über Jahre hinweg im Vorfeld in ihr Sortiment ein. Und das großflächig und lange bevor sie überhaupt weitere Bücher geschrieben haben. Dann gibt es noch ein paar Autorinnen und Autoren, die sich aus reinen Prestigegründen im Sortiment befinden (z.B. irgendwelche Preisträger). Mit ihren Büchern verdienen die Verlage oftmals kein Geld, eher im Gegenteil, aber der prominente Name macht sich gut auf der Liste der verlagseigenen Autoren. Man nimmt die Verluste bewusst in Kauf, um eine entsprechende Außenwirkung zu erzeugen. Der kümmerliche, winzige, fast schon mikroskopische Rest des Kuchens, der jetzt noch übrig ist, bleibt den jungen, neuen, bisher noch unbekannten Autor*Innen vorbehalten. Und das ist nicht viel. Im Sinne von: so gut wie nichts!

 

Wie winzig dieser Rest ist, wird einem spätestens dann klar, wenn man sich die harten Zahlen ansieht. Pro Jahr gibt es in Deutschland zwischen 70.000 und 80.000 Buchneuerscheinungen. Viele davon überleben nicht einmal die ersten sechs Monate und verschwinden sang- und klanglos wieder vom Markt – denn auch das kann passieren. Stimmen die Verkaufszahlen nicht mit den Erwartungen des Verlags überein, war's das für den Autor und sein Werk. Außerdem werden etablierte Verlagshäuser mit Manuskripten förmlich geflutet. Ich erinnere mich an einen Artikel von Bestsellerautor Andreas Eschbach, in dem er anmerkte, ein ihm bekannter Lektor würde pro Jahr etwa 1.700 Manuskripte erhalten. Eine einzelne Person! Ein einzelner Lektor! In einem einzelnen Verlag! Selbst wenn dieser Lektor den Wunsch und die Möglichkeit hätte, all diese Manuskripte zu lesen und zu bewerten (was nicht der Fall ist), müsste er – Urlaubs-, Krankheits- und Wochenendzeiten abgezogen – pro Tag etwa 8 Manuskripte lesen, und zwar neben seiner eigentlichen Tätigkeit, die darin besteht, bereits fertiggestellte Bücher der Verlagsautoren zu lektorieren und zu begleiten. Die Chance, dass ein völlig unbekannter Autor mit seinem völlig unbekannten Werk diese Hürde nimmt, ist minimal bis nicht existent.

 

Hinzu kommt, dass manche Wannabe-Autoren Texte abliefern, die qualitativ weit unter dem liegen, was eigentlich Mindestvoraussetzung wäre. Da wird munter in riesengroßer (manchmal sogar farbiger) Schrift geschrieben, die Texte platzen förmlich vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern, die Formulierungen sind hölzern, die Geschichten unlogisch, trocken und wirr, der Unterhaltungswert geht gegen null. Ich habe Autoren getroffen, die ihr unstrukturiertes und völlig lieblos formatiertes Textkonglomerat an einen Verlag geschickt haben, in der festen Überzeugung: »Nur der Inhalt zählt. Ich bin halt nicht so der Rechtschreibtyp, darum soll sich der Verlag kümmern.« Solche Manuskripte landen in der Mülltonne, kaum dass man sie aus dem schützenden Briefumschlag gezogen hat. Das Mindeste (wirklich das ALLERMINDESTE), was ein Verlag von einem Autor erwarten kann, ist, dass dieser ein Manuskript abliefert, welches keine mühseligen und wochenlangen Überarbeitungen benötigt, bis es wenigstens die Mindeststandards erfüllt. Wir erinnern uns: Der Kostenfaktor zählt! Außerdem ist es von einem Schriftsteller nicht zu viel verlangt, dass er seiner Berufsbezeichnung gerecht wird und das Schreiben beherrscht. Das wäre beinahe so, als ob ein Klempner zu mir kommt, das Waschbecken total schief einbaut, die Fliesen falsch verlegt und die Toilette zum Überlaufen bringt, um anschließend zu sagen: »Tut mir leid, aber ich bin halt nicht so der Typ für Millimeterarbeit. Darum sollen Sie als Kunde sich kümmern.« Niemand würde so etwas durchgehen lassen.

 

Was ist also der beste, sinnvollste und gewinnbringendste Weg, um in der Schriftstellerei Erfolg zu haben?

 

Sieben einfache Worte: harte Arbeit, langer Atem und permanente Lernbereitschaft!

 

Niemand wird als perfekter Schriftsteller geboren. Niemandem fällt ein makelloses, einwandfreies Manuskript in den Schoß. Um im Literaturbetrieb bestehen und vorankommen zu können, muss man die Ärmel hochkrempeln und an diesem Ziel arbeiten. Dazu gehört: Sich weiterbilden, dazulernen, seine Arbeit und seine Vorgehensweise stetig verbessern. Der Weg eines Schriftstellers ist kein Spaziergang um den Block, er ist eine lange, beschwerliche und abenteuerliche Reise. Man muss sich mit Themen auseinandersetzen wie:

  • Welche Techniken und Stilmittel kann ich verwenden, um eine Geschichte interessant, unterhaltsam und handwerklich gut zu schreiben?
  • Welche Qualitätsmaßnahmen gibt es, die sicherstellen, dass ich möglichst fehlerfreie Texte abliefere? Das gelingt einem zwar nie in Perfektion, nicht einmal den großen Autoren, aber man sollte diesem Ziel so nah wie möglich kommen.
  • Werbung, Marketing und Public Relations: Wie kann ich Leserinnen und Leser auf mich aufmerksam machen, wie kann ich ihr Interesse gewinnen? Wie kann ich sie dazu bewegen, meine Bücher zu kaufen? Möglichst nicht nur diejenigen, die es schon gibt, sondern auch solche, die noch kommen werden.
  • Wie kann ich das Cover eines Buches gestalten (oder gestalten lassen), wie kann ich den Klappentext schreiben, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen? Was verkauft sich am besten und warum?

Entscheidend ist: Als Autor oder Autorin ist man nicht nur eine Person, die Texte zu Papier bringt, man ist vielmehr Entertainer, Werbemanager und Handwerker in einem. Für den Erfolg eines Buches muss man kämpfen. Und damit meine ich nicht diesen überbordenden, emotionalen Pathos, den man gerne in Literaturforen liest, im Sinne von: »Ich glaube FEST an mein Buch ...«. Diese Überzeugung ist zwar schön, aber irgendwie auch eine Selbstverständlichkeit. Welcher normale Mensch würde denn versuchen, ein Buch zu veröffentlichen, bei dem er der Überzeugung ist: »Das taugt nichts, das ist einfach schlecht«? Ich jedenfalls habe noch niemanden getroffen, auf den das zutraf. Viel entscheidender ist, dass diese Person sagt: »Ich glaube fest an mein Buch und unternehme alles, um es nach den Regeln der Kunst zu einem Produkt zu machen, welches von den Kunden gesehen, gekauft und gelesen wird.« Damit schließt sich der Kreis: Der Literaturmarkt ist genau das, was sein Name sagt, nämlich ein MARKT. Und Bücher sind die Waren, die dort gehandelt werden. Das mag unromantisch und oberflächlich klingen, ist aber nun mal die Realität. So funktioniert das Spiel.

 

»Stopp!«, rufen allzu enthusiastische Schriftsteller an dieser Stelle – und ich mache da keine Ausnahme, denn bis vor ein paar Jahren habe ich ebenso gedacht. »Ich will mich mit meinen Texten nicht dem Diktat des Geldes unterwerfen! Ich will Literatur als Kunst betreiben.«

 

»Kein Problem«, antworte ich darauf. »Dann verschenke deine Texte doch einfach. Stell' sie kostenlos ins Internet oder veröffentliche sie erst gar nicht, sondern schreib sie nur für dich allein. Auf diese Weise hast du die genannte Prämisse erfüllt. Du schreibst um der Kunst des Schreibens willen.«

 

Das ist nämlich die Krux an der Sache: Sobald man als Schriftsteller den Wunsch hat, von Menschen gelesen zu werden, also ein Publikum zu haben, muss man sich auch Gedanken darüber machen, wie man das Interesse dieser Menschen wecken kann. Und – Hand aufs Herz: Diejenigen, die ihre Bücher veröffentlichen, tun das seltenst ohne den Wunsch nach einer Gegenleistung, sei es nun Geld oder Anerkennung. Damit werden die Bücher zu Produkten und die Leserinnen und Leser zu Kunden.

 

Glücklicherweise bedeutet das nicht, dass man seine künstlerischen Ambitionen komplett über Bord werfen und nur noch stupide Fließbandware produzieren muss. Es geht vielmehr darum, diese beiden augenscheinlichen Gegensätze miteinander zu verschmelzen. Künstlerische Kreativität und betriebswirtschaftliches Denken schließen sich nicht zwangsläufig aus, sie können sich ganz wunderbar ergänzen. Eine gute und kreative Idee schön zu verpacken und sie zu bewerben, um sie der Welt zugänglich zu machen, ist ein kleiner und bezahlbarer Preis. Die Literaturwelt leidet beileibe nicht daran, dass es zu viele Bücher mit schönen Covern oder schmissigen Titeln gibt, sondern vielmehr daran, dass Verlage auf die eben genannte stupide Fließbandware setzen und jedes Risiko und jedes Experiment scheuen.

 

Außerdem kann ich jedem nur empfehlen, sich als Selfpublisher zu verdingen, seine Bücher also im Selbstverlag zu veröffentlichen. Ganz gleich, ob man dauerhaft bei diesem Zweig bleiben möchte oder sich den Sprung in die normale Verlagswelt wünscht: Wer in der Literaturwelt vorankommen möchte, muss sich eine »Fanbase« aufbauen, seine Bücher bekanntmachen, an seinen Schreibfähigkeiten arbeiten, mit Leidenschaft und Hingabe bei der Sache sein (und bleiben). Wer diesen Weg geht, wird vorankommen. Die Fortschritte mögen zunächst auf sich warten lassen und sich nur langsam und in kleinen Mengen zeigen, doch sie werden kommen. Man sollte stets im Kopf behalten, dass man sich in einer der härtesten Branchen bewegt, die man sich aussuchen kann, mit unfassbar großer Konkurrenz und erschwerten Bedingungen. An den spontanen Erfolg aus dem Nichts heraus zu glauben ist naiv und weltfremd. An einen Erfolg als Resultat harter und anhaltender Arbeit zu glauben ist hingegen realistisch und bodenständig. Autor zu sein ist kein Zustand, es ist ein Projekt. Eine Aufgabe mit einem ausgedehnten Zeitplan. Dementsprechend lautet die Antwort auf die titelgebende Frage dieses BLOG-Eintrags: »Nein, Autor zu werden ist nicht leicht, ganz im Gegenteil. Es ist eine lange und sehr anstrengende Reise. Aber sie lohnt sich.«


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.


Kommentare

Kommentare: 3
  • #3

    Marco (Dienstag, 29 Oktober 2019 14:02)

    @Uschi:

    Und, ach ja, zu deiner Frage bezüglich der Autoren, deren Manuskripte im Mülleimer der Verlage landen: Wie es an dieser Stelle weitergeht, liegt allein bei diesen Autoren. Sie müssen entscheiden: Mache ich weiter oder gebe ich auf? Dass ein Verlag ein Manuskript ablehnt, ist kein Beleg dafür, dass es schlecht ist, es ist nur ein Beleg dafür, dass dieser besagte Verlag kein Interesse daran hat, Zeit und Geld zu investieren, um es auf gut Glück zu Veröffentlichen. Meine Empfehlung - und auch meine persönliche Erfahrung - ist, dass Autoren es als Selfpublisher versuchen sollten. Wer sich wirklich und wahrhaftig der Literatur verschrieben hat und den langen und mühsamen Weg auf sich nehmen will, der soll seine Bücher im Eigenverlag veröffentlichen. Das ist die beste Grundlage, die man sich aneignen kann. Man baut sich einen Stamm von Leser*Innen auf (die besagte Fanbase), lernt, wie das Geschäft läuft, verbessert seine Fähigkeiten, knüpft Kontakte, erlangt eine gewisse Bekanntheit. Wer danach immer noch ins Verlagswesen gehen möchte, kann das deutlich leichter erreichen, denn er hat sozusagen gute "Karten" auf der Hand, mit denen er pokern kann. Als vollkommen unbekannter Autor, der lediglich die schöne Hoffnung hat, das eigene Werk möge ein Erfolg werden, kommt man in der Literaturwelt nicht weit.

  • #2

    Marco (Dienstag, 29 Oktober 2019 13:53)

    @Uschi:

    Das ist ja gerade die Krux an der Sache: Ein "gut" oder "schlecht" gibt es in der Kunst nicht. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Menschen beurteilen Kunstobjekte - egal ob ein Bild, ein Musikstück oder ein Buch - nach sehr individuellen Geschmackskriterien. Picasso beispielsweise hat in seinen späten Jahren Dinge gemalt, die mir kein bisschen gefallen, dennoch gilt er als einer der ganz Großen. Gleichzeitig gibt es Menschen, die - aus meiner Sicht - hervorragende Bilder malen, und dennoch verkaufen sie sich nicht. Bei Kunstobjekten ist es so, dass sich folgende Fragen stellen:

    1. Entspricht das Objekt dem Geschmack einer möglichst großen Masse von Menschen?
    2. Kann man diese Masse ausreichend gut erreichen (Werbung) und sie zum Kauf animieren?

    Nehmen wir Fitzek als Beispiel aus der Literaturwelt: Seine Bücher sind beileibe keine "hohe Literatur", immer wieder bemängeln selbst Fans logische Fehler in seinen Geschichten oder die Oberflächlichkeit seiner Plots. Dennoch werden seine Bücher zu Tausenden gekauft. Er hat seine Fanbase, sein Publikum, seine Abnehmer gefunden. Das ist des Pudels Kern :-).

  • #1

    Uschi Kruse (Montag, 28 Oktober 2019 22:39)

    Das war wieder ein sehr eindrucksvoller Bericht, über den ich noch weiter nachdenken muss. Zum Glück beabsichtige ich nicht, ein Buch zu schreiben, obwohl ich als Kind den großen Wunsch hegte.
    Ja, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass alles so abläuft, aber der Gedanke, dass ein Manuskript ungelesen im Papierkorb landet, ist schon sehr deprimierend.
    Kann man das auch mit der Malerei vergleichen? In meinem früheren Chor war eine Sängerin, die hatte längere Zeit eine Kur wegen ihrer schlechten psychischen Verfassung gehabt. Dort lernten die Patienten Malen. Als sie entlassen wurde, glaubte sie, malen zu können. sie malte sehr viele Bilder Sie versuchte dann, in Ausstellungen, auf dem Flohmarkt oder dem Weihnachtsbasar diese Bilder zu verkaufen. Aber es kaufte sie niemand. Das deprimierte sie gleich noch um ein Vielfaches. Wahrscheinlich wurde ihr von den Therapeuten gesagt, dass ihre Bilder toll seien und ihr Selbstbewusstsein stieg. Aber wie enttäuschend, dass sie kein Bild verkaufte.
    Was machen die armen Autoren, wenn ihr Werk im Mülleimer des Lektoren landet? Versuchen sie es erneut? Wenn sie an sich glauben, sonst aber keiner, sollten sie nicht den Rat des Verlages annehmen und sich eine andere Beschäftigung suchen? Ach, es ist schwierig. Wer fest an sein Buch glaubt, wird sicher nicht so bald aufgeben.
    Das ist eine traurige Geschichte.