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Wie ich in nur wenigen Tagen 29 »Freunde« verloren habe und darüber glücklich bin

Der 16. Februar 2020 war für mich eine Zäsur, ein Wendepunkt. Nach über eineinhalb Jahren, in denen ich an meiner literarischen Karriere gearbeitet habe, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es an der Zeit war, einen Schnitt zu machen und mich neu auszurichten. Der Literaturmarkt ist ein knallhartes Business, in dem wenige Menschen viel Erfolg haben und unvorstellbar viele nur wenig oder keinen. Jeder Schritt, den man nach vorne geht, ist letztlich kein echter Sieg, denn kaum einen Augenblick später muss man wieder einen Schritt zurücktun. So läuft es die ganze Zeit über: einen vor, einen zurück, einen vor, einen zurück. Am Ende steht man immer noch genau dort, wo man am Anfang begonnen hat.

 

Eine der Entscheidungen, die ich damals getroffen habe, war, mich so weit wie möglich aus den sozialen Medien zurückzuziehen. Das ewige Posten nur um des Postens Willen und zur Förderung meiner vermeintlichen »Bekanntheit« ging mir irgendwann tierisch auf die Nerven und hat keinen messbaren Erfolg gebracht. Egal, wie viele Beiträge ich zu meinen Büchern geschrieben habe, zu Preisaktionen, Leserunden oder Events, bis auf ein paar Likes ist kaum etwas dabei herumgekommen. Die Zeit und Mühe, die ich dafür investiert habe, stand in keinem auch nur annähernden Verhältnis zum Ergebnis. Also dachte ich mir: Weg damit!

 

Im nächsten Moment habe ich mich gefragt, wie viele meiner »Freunde« oder »Fans«, meiner sogenannten »Follower« auf Instagram, ein tatsächliches Interesse an meiner Arbeit haben, mir also aus echter Neugier folgen, und welche nur auf der »Folgst du mir, folge ich dir«-Welle schwimmen, damit ihr Follower-Zähler möglichst hübsch und prall aussieht. Paradoxerweise habe ich sogar selbst einen BLOG-Artikel zu diesem Thema geschrieben, auch wenn das schon eine Weile her ist.

 

(Wer ihn mal lesen will, hier ist er: Fishing for followers: Die verzweifelte Suche nach Anerkennung im Netz)

 

Mir ist aufgefallen: Es gibt eine sehr einfache Möglichkeit, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Ich habe auf Instagram massiv aufgeräumt! Ich bin die Liste der Menschen, denen ich folge, durchgegangen, und habe jeden weggeklickt, bei dem ich mir nicht sicher war, dass es mich wirklich (im Sinne von: WIRKLICH) interessiert, was er oder sie dort postet. Binnen kürzester Zeit habe ich auf diese Weise anstelle von 300+ Menschen, denen ich folge, nur noch knapp über 50 in meiner Liste gehabt. Mein Feed wurde deutlich schlanker, und die Beiträge, die ich dort sehe, interessieren mich wirklich. Ich möchte ganz im Ernst und ohne Wenn und Aber mit diesen wenigen Menschen in Kontakt bleiben. Und mit allen anderen nicht. Ohne, dass das böse oder respektlos gemeint wäre.

 

Der spannende Teil kam allerdings erst ein paar Stunden bis Tage später. Denn wie auf ein Kommando hat auch mein Follower-Zähler zu fallen begonnen und wurde rapide kleiner. Man konnte richtig spüren: Die Menschen, die ich aus meiner Liste entfernt hatte, haben auch mich weggeklickt. Und das hat mich mit einem seltsam beruhigenden Gefühl erfüllt. In nur wenigen Tagen habe ich 29 meiner vermeintlichen »Freunde« oder »Follower« verloren, und ich prophezeie, dass dieser Trend noch eine ganze Weile so weitergehen wird. Aber das ist okay. Denn diejenigen, die am Ende übrig bleiben, sind diejenigen, die sich wirklich für mich und meine Arbeit interessieren. Wir sind also gegenseitig ehrlich zueinander. Daran merkt man wieder: Die virtuelle Welt ist gar nicht so viel anders als die reale. Sie funktioniert nach denselben Gesetzmäßigkeiten. Ich will und werde mich nicht mehr mit gekünstelten Followerzahlen abgeben. Lieber habe nur eine Handvoll Menschen, die mir folgen und die sich wirklich für meine Arbeit interessieren, als einen riesigen Haufen von Fremden. Und lieber folge ich nur eine Handvoll Menschen, die mich wirklich interessieren, als einem großen Haufen, den ich überhaupt nicht kenne und den ich wahrscheinlich auch nie kennenlernen werde.

 

Beziehungen sind etwas Wertvolles - ganz gleich, ob sie im virtuellen oder im realen Raum stattfinden. Man sollte sie pflegen und mit Leben füllen, sonst sind sie nichts wert.


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.


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