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Was wir aus der Corona-Krise lernen können

Hurra, die Born-Miljaks sind jetzt auch Teil des Mainstreams ;-).

 

Zum ersten Mal in meinem immerhin schon 43-jährigen Leben habe ich heute zusammen mit meiner Frau und meiner Stieftochter einen großen Einkaufswagen mit allem vollgepackt, was man im Keller oder in der Tiefkühltruhe lagern kann, um eventuelle Engpässe zu überbrücken. Und wir waren beileibe nicht die einzigen. So viele Menschen habe ich noch nie an einem Freitagnachmittag im Supermarkt gesehen. Eigentlich paradox, wenn man bedenkt, dass man ja vor allem große Menschenansammlungen meiden sollte.

 

Was sagt das über uns aus? Ist das Panikmache? Hysterie? Übertriebene Vorsicht? Oder gar Endzeitstimmung?

 

Nein, ich denke, es ist eine ganz normale Reaktion. Schulen und Kitas werden geschlossen, Mitarbeiter werden ins Homeoffice geschickt, Veranstaltungen abgesagt, Grenzen geschlossen. Die Wirtschaft ächzt. Schaut man nach Italien oder - bald auch - Frankreich, dann könnte es noch viel, viel extremer kommen. Davon abgesehen: Falls es einen mit Covid-19 tatsächlich "erwischt", dann muss man erst einmal zuhause bleiben, und zwar mit allen Angehörigen. Ein paar Vorräte sind also gar nicht so dumm, wenn man es von diesem Standpunkt aus betrachtet.

 

Aber noch etwas anderes finde ich wichtig. Die aktuelle Situation und - vor allem - unser Umgang damit sagt sehr viel über unseren Lebensstil und unseren Wohlstand in Deutschland und Europa aus. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es keine Situation mehr, in der wir irgendeinen Mangel gelitten hätten oder es nötig gewesen wäre, uns in unserem Leben, unserer Freiheit oder unserem Konsum einzuschränken (von der Ölpreiskrise in den Siebzigern mal abgesehen). Wir sind es gewohnt, dass wir praktisch alles zu jeder Zeit in beliebigen Mengen haben können. Südfrüchte im Winter? Warmes Essen mitten in der Nacht? Shoppen am Sonntagnachmittag? Alles kein Problem! Wer in den letzten 75 Jahren einen Supermarkt betreten hat, kam selten in die Verlegenheit, dass ein gesuchtes Produkt nicht mehr vorrätig war - eher im Gegenteil. Alle Regale waren prall gefüllt (auch kurz vor Ladenschluss), alle Produkte in Unmengen vorhanden. Und am Ende des Tages wurde vieles - vor allem verderbliche Ware wie Lebensmittel - weggeworfen, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war.

 

Nun haben wir ein Virus, welches die Welt in Atem hält, und plötzlich ist unser Wohlstand, unser Überfluss, unser selbstverständlicher Konsum nicht mehr ganz so selbstverständlich. Dabei geht es oftmals "nur" um solche Dinge wie Toilettenpapier oder Nudeln. Trotzdem fühlt es sich seltsam an, vor einem leeren Regal zu stehen oder Vorräte anzulegen, auf die ganz reelle Gefahr hin, dass wir möglicherweise ein paar Wochen oder Monate mit weniger überbrücken müssen als wir eigentlich gewohnt sind. Wir sind übersättigt von all den Dingen, die wir tagtäglich zur Verfügung haben. Und wir sehen dieses Angebot als einen festen, unabdingbaren Bestandteil unseres Lebens.

 

Unsere Großeltern kennen noch andere Zeiten. Und auch Menschen aus anderen Ländern. Ich erinnere mich gut daran, wie wir früher ins ehemalige Jugoslawien gereist sind und es selbstverständlich war, dass man sich für ein Brot oder etwas Milch beim Krämerladen an der Ecke anstellen musste und spätestens zum Mittag hin alles ausverkauft war. War das Leben deshalb schlechter? Waren die Menschen unglücklicher? Das ist schwer zu sagen. Aber mein Eindruck war jedenfalls, dass es ihnen in manchen Belangen deutlich besser ging als uns heute. Grenzenloser Konsum mag sich gut anfühlen, aber er macht nicht automatisch zufrieden. Manchmal kann Verzicht auch ein Segen sein. Und vielleicht ist es genau das, was wir alle aus dieser Krise lernen können.

 

In diesem Sinne: Bleibt gesund!


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.


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