· 

Wie mir Corona einen seltsamen Moment der Ruhe beschert hat

Diese Folge als Audio-BLOG anhören:

Tag 9 im Corona-Schutzbunker. Fangen mittlerweile an, Obst und Gemüse selber anzubauen und mit unseren Fäkalien zu düngen. Positiver Nebeneffekt: Sind dadurch (fast) unabhängig vom Klopapier geworden. Gerade im Keller noch eine tote Maus gefunden. Endlich wieder Fleisch für die Familie!

 

;-)

 

Das sollte natürlich ein Witz sein. Ich stelle fest, dass ich, je länger diese Krise andauert und je mehr wir uns in unsere vier Wände zurückziehen (müssen), mein Humor immer seltsamere Blüten treibt. Lachen ist eben die beste Medizin, auch in solchen Situationen.

 

Aber Spaß beiseite. Ich bin heute morgen, früh um 7:30 Uhr, zum Supermarkt gefahren, um ein paar Dinge einzukaufen. Grünzeug zum Beispiel. Unser Kaninchen kümmert sich irgendwie so gar nicht darum, dass wir gerade eine globale Krise haben. So ein unsensibles Tier aber auch ;-). Jedenfalls war dieser Ausflug gleichermaßen gespenstisch gruselig und entspannt und stressfrei zugleich. Die Straßen waren wie leer gefegt. Die Parkplätze vor dem Supermarkt nahezu unbelegt (offenbar ist die erste Welle der Hamstereinkäufe erst mal vorbei, Gott sei Dank). Im Supermarkt war ich einer von vielleicht zehn oder zwölf Menschen, die ihren Einkaufswagen an immer noch erschreckend leeren Nudel-, Toilettenpapier-, Fleisch- und Dosenfutter-Regalen vorbeigeschoben haben. Ein älterer Mann trug einen Mundschutz, eine ältere Frau Einmal-Handschuhe. Und ich gebe zu: Auch ich trage mittlerweile Handschuhe beim Einkaufen - wenn auch die schwarzen Lederhandschuhe vom Winter, so viel Stil muss selbst in einer Krise sein - und ein kleines Fläschchen Handdesinfektionsmittel griffbereit in meiner Jackentasche. An der einen Kasse (von normalerweise zwölf!), die geöffnet war, gab es keine Schlangen, kein langes Warten, kein Lärm, keine Hektik, nichts. Der ganze Einkauf war in wenigen Minuten erledigt und ich war wieder auf dem Parkplatz. Die gegenüberliegende Bäckerei, der Asia-Imbiss, der Zeitungsstand, der Handyladen, einfach alles dicht und teilweise mit Flatterband abgesperrt. An der Tür zur Apotheke neben einem riesigen Schild, welches darauf hinwies, dass Desinfektionsmittel und Masken restlos ausverkauft seien, gefühlte zweihundert Warnungen, Hinweise und Verhaltensregeln. Verrückt! Aber seltsamerweise ... auch irgendwie entspannend. Als ich wieder in meinem Auto gesessen und nach Hause gefahren bin, stelle ich fest: Niemand drängelt hinter mir, keine Staus an den Ampeln, keine Raser, nichts. Das ganze Land scheint zur Ruhe gekommen zu sein. Eine seltsame, bizarre, ungewohnte und dadurch auch beängstigende Ruhe. Aber eben Ruhe! Die Sonne hat geschienen wie immer (und noch dazu sehr schön und warm), die Straßen, die Häuser, alles war noch wie immer. Und dennoch war nichts mehr so wie früher.

 

Es sind bizarre Zeiten, in denen wir leben.

 

Dennoch zeigt mir dieses Erlebnis: Alles hat zwei Seiten! Einerseits die weltumspannende Krise, die Gefahr einer Ansteckung, die unbekannte Krankheit, die Ungewissheit und Enge. Andererseits aber auch die Ruhe im Alltag, die Sonne, die Harmonie. Vielleicht sollten wir uns daran festhalten, wenn wir die kommenden Wochen oder Monate gemeinsam meistern.

 

Lasst uns das Beste aus alledem machen.


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.


Kommentare: 0