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Verschwörungstheorien sind Quatsch - und zwar immer!

Gerade jetzt, gerade in diesen schwierigen Zeiten, aber eigentlich auch bei jedem anderen größeren Ereignis in der Landes- oder Weltgeschichte tauchen irgendwelche wilden Theorien auf, die besagen, dass dieser oder jener Sachverhalt eigentlich gar nicht so ist wie er scheint. Mein neuester Favorit ist ein Video, welches gerade die große Runde macht und in dem behauptet wird, die Corona-Krise sei ein "riesengroßer Fake" und ein "Krieg gegen die Bevölkerung".

 

(Ich verlinke dieses Video übrigens ganz bewusst nicht und nenne auch keine Namen oder Titel. Wer es unbedingt finden will, der wird es auch finden, das Internet bietet genügend Möglichkeiten dazu. Mir geht es weniger um das Video selbst, als um die grundsätzliche Betrachtung von Verschwörungstheorien.)

 

Hm, Corona ist also ein Fake, eine einzige, große Lüge, ein Schwindel? Könnte da was dran sein?

 

Die Antwort darauf ist so schlicht wie einfach: Nö!

 

Alle Verschwörungstheorien, denen ich bisher begegnet bin - und durch die Segnungen des Internets sind das ziemlich viele -, haben ein paar Dinge gemeinsam. Sie sind es, die mich in der Überzeugung bestätigen, dass alle Verschwörungstheorien kompletter und völliger Bullshit sind. Wirklich alle! Hundert Prozent. Ohne Ausnahme. Kein "Vielleicht" und kein "Aber".

 

Punkt Nr. 1: Verschwörungstheorien widersprechen stets einer gängigen Meinung oder Überzeugung - oftmals in provokativer Art und Weise -, und behaupten, hinter allem stecke eigentlich eine "ganz große Sache". Die Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel? Sind in Wirklichkeit "Chemtrails", mit denen das Wetter manipuliert werden soll, eine ganz große Verschwörung! Die Fridays-for-Future-Bewegung, die sich für mehr Klimaschutz einsetzt? Von der Wirtschaft manipulierte Marionetten, eine ganz große Verschwörung! Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, um dem Krieg in ihrem Heimatland zu entfliehen? Sollen das Deutsche Volk "ersetzen", eine ganz große Verschwörung! Die Anschläge vom 11. September 2001? Ein "Inside Job" vom amerikanischen Geheimdienst, eine ganz große Verschwörung! Und nun eben die Corona-Krise: Eine ganz große Verschwörung! Ein "Krieg" gegen die Bevölkerung!

 

Punkt Nr. 2: Verschwörungstheorien stützen sich auf die Behauptungen einiger weniger Menschen und lehnen gleichzeitig die Behauptungen sehr vieler anderer Menschen ab. Oder anders gesagt: Dass Abertausende von Ärzten und Wissenschaftlern (also ausgewiesene Experten) weltweit nicht nur an das Coronavirus glauben, sondern daran forschen und es mit eigenen Augen gesehen haben, spielt für die Verschwörungstheoretiker überhaupt keine Rolle. Sie stützen sich auf die Aussagen einiger weniger Personen, die einfach mal unterstellen, die Mehrheit sei eben "verblendet", "gehirngewaschen" und würde sowieso nur "dem Mainstream" folgen. Die Massen sind also dumm, die tapferen Verschwörungstheoretiker aufgeklärt und klug.

 

Punkt Nr. 3: Widerspricht man Verschwörungstheoretikern mit harten Zahlen, Fakten und wissenschaftlich bewiesenen Tatsachen - also mit allem, was letztlich die Realität vom Wunschdenken unterscheidet -, so heißt es lapidar: Das ist auch alles Fake, das ist auch alles Mainstream. Weil, Person XY hat doch in einem YouTube-Video behauptet, dass ... und außerdem, wenn man mal seinen "gesunden Menschenverstand" einsetzt ... und im Buch ABC von irgendeinem anderen Verschwörungstheoretiker steht doch ganz klar drin, dass ... und so weiter, und so fort. Ganz gleich, wie man argumentiert, solange es nicht mit der Überzeugung des Verschwörungstheoretikers übereinstimmt, ist alles "gelogen" und "eine riesige Täuschung" und man selbst natürlich total "verblendet" und "gehirngewaschen".

 

Ich kenne dieses Verhalten. Ich habe es schon einmal erlebt, vor sehr langer Zeit, in einem völlig anderen Kontext. Nämlich bei religiösen Fundamentalisten! Als ich noch ein Kind war, vielleicht zehn oder elf Jahre alt, besuchten meine Eltern (mit uns zusammen) mehrere fundamentalistisch christliche Vereinigungen und Gottesdienste. Dort wurde genau dieselbe Weltsicht und Philosophie gepredigt wie bei Verschwörungstheoretikern. Die Welt, so hieß es, sei "vom Satan besessen", sein ganz persönliches "Reich", und dieser "böse Feind" gauckele den Menschen nur vor, dass sie glücklich seien, um sie für seine Zwecke zu manipulieren. Man müsse gegen diese Lügen kämpfen. Die einzig wahre Wahrheit sei nämlich nur die Bibel - die wörtlich zu interpretieren sei. Und jedem, der diesen Ansichten widersprach, wurde vorgeworfen, "verblendet" zu sein und Teil der "teuflischen Masse", die die Wahrheit "zerstören" oder "verhindern" wollen, um den Teufel in seinem Vorhaben zu unterstützen, seinen "großen Plan" in die Tat umzusetzen.

 

Die Parallelen sind mehr als frappierend.

 

Ich habe mich oft gefragt, was Menschen dazu bewegt, an so einen kruden Mist zu glauben - seien es nun angebliche spirituelle Grabenkämpfe oder vermeintliche Giftwolken am Himmel. Wieso neigen Menschen dazu, wissenschaftlichen Fakten und der Meinung vieler zu misstrauen und gleichzeitig auf irgendwelche Behauptungen abzufahren, die irgend ein komischer Soundso in irgendeinem schabbeligen YouTube-Video von sich gibt? Ist das nicht widersinnig?

 

Ja, ist es. Sogar völlig! Deswegen bin ich auch zu der Überzeugung gelangt, dass der Glaube an Verschwörungstheorien dieselben Ursachen und Gründe hat wie der fundamentalistisch religiöse Glaube. Zum einen geht es um Anerkennung, um Bestätigung. Der Verschwörungstheoretiker will sich seinen Mitmenschen gegenüber überlegen fühlen, er will klüger sein als andere, zu einer aufgeklärten, eingeweihten "Elite" gehören. Das gibt ihm das Gefühl, einen Wert zu haben, etwas Besonderes zu sein. Zum anderen: Der Verschwörungstheoretiker will Dinge seines Alltags und seines Lebens, die sich seinem Einfluss entziehen, wieder kontrollierbar machen. Früher haben Menschen zu ihrer jeweiligen Gottheit gebetet, um gute Ernten zu bekommen und dadurch die unabwägbare und unkontrollierbare Natur irgendwie doch unter Kontrolle zu bekommen. Der Verschwörungstheoretiker versucht dasselbe. Er will das Leben, den Alltag, der immer wirrer, chaotischer, herausfordernder wird, wieder unter Kontrolle bekommen - oder zumindest das Gefühl haben, dass er die Kontrolle hat. Deswegen kann eine Virus-Pandemie nicht einfach eine Virus-Panemie sein (also ein Schicksalsschlag, gefördert durch die Tatsache, dass wir in einer Zeit erhöhter Pandemie-Gefahren leben, bedingt durch die voranschreitende Globalisierung). Deswegen können Zivilisationskrankheiten nicht einfach durch einen falschen und ungesunden Lebensstil verursacht sein, den wir selbst zu verantworten haben, sondern müssen auf eine angebliche "Verschwörung böser Mächte" zurückgehen.

 

Verschwörungstheorien (und der Glaube daran) sind also letztlich nichts anderes als der Versuch, der Realität zu entfliehen und sich eine alternative Realität zu erschaffen. Eine, die einem besser gefällt, die eher zur persönlichen Einstellung passt. Und deshalb scheitert es auch so dramatisch, wenn man Verschwörungstheoretiker mit der Realität konfrontiert - also mit Zahlen, Fakten, Wissenschaft. Genau davon wollen sie nichts wissen.

 

Aus diesem Grund sind Verschwörungstheorien Quatsch. Und zwar immer!


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.


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