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Warum mir Michael Wendler am A**** vorbeigeht

Obwohl ich in gewisser Weise dafür berüchtigt bin, zu fast allem irgendeine Meinung zu haben und diese auch kundzutun, gibt es selbst für mich ein paar Themen, die mir am verlängerten Rücken vorbeigehen und die mich weniger interessieren als ein umgefallener Spaten in Indochina. Die Schlagerträllermaschine Michael Wendler ist so ein Beispiel (oder wie er sich selber nennt: »Der Wendler«).

 

Ich mag keinen Schlager. Und noch weniger mag ich den Wendler. Und die Kombination dieser beiden Faktoren hat dazu geführt, dass ich mich bisher weder gedanklich noch verbal mit diesem Menschen auseinandergesetzt habe. Heute mache ich eine Ausnahme davon, wenn auch nur eine kurze und kleine.

 

Denn der Wendler hat - das dürfte mittlerweile fast jedem bekannt sein - den »Hildmann-Naidoo-Zug« bestiegen und gehört nach der Veröffentlichung eines ziemlich bizarren Videos zu den Coronaleugnern oder Coronaprotestlern - wie auch immer man es nennen mag. Und all jene, die ohnehin an eine weltweite Verschwörung glauben und das Tragen von Masken als Verfassungsverletzung ansehen, fühlen sich dadurch bestärkt und ermutigt. Denn wenn schon »so einer« (gemeint ist: ein Prominenter) Corona und die Regierung in Frage stellt und die Medien als »gleichgeschaltet« kritisiert, dann muss da doch was dran sein.

 

Oder?

 

Ja, gute Frage. »Muss« da was »dran sein«, wenn sich ein Michael Wendler vor die Kamera stellt und so etwas kundtut? »So einer« kennt sich doch mit dem Medienbetrieb aus, oder? Der muss es doch wissen. Oder?

 

Nö!

 

Denn was genau soll ausgerechnet einen Michael Wendler dazu befähigen, besser einschätzen zu können, ob das Coronavirus Humbug ist oder die Medien gleichgeschaltet, als all die Ärzte und Wissenschaftler, die sich weltweit und tagtäglich mit diesem Thema auseinandersetzen? (Diese Frage kann übrigens 1:1 auch auf Attila Hildmann und Xavier Naidoo übertragen werden.)

 

Fassen wir mal zusammen, was der Herr Wendler in den letzten Jahren so alles gemacht hat.

 

Angefangen hat er als Schlagersänger, der zu den üblichen Kann-man-gut-dazu-tanzen-Beats Textstrophen wie »Sie liebt den DJ« ins Mikro geschmettert hat. Dann wurde es still um ihn, sehr still. Erst 2014 tauchte er als Kandidat des RTL-Dschungelcamps wieder halbwegs aus der Versenkung auf, wo er allerdings eine mehr als blamable Figur abgab. Nach nur 4 Tagen schied er freiwillig aus dem Camp aus, schlug sich genüsslich den Bauch mit Leckereien voll, duschte und schlief im Hotelbett, um anschließend zu verkünden, doch wieder ins Camp zurückzuwollen. Sein Motto lautete - in Anlehnung an den Sendungstitel: »Ich bin ein Star, holt mich wieder rein!« RTL machte logischerweise nicht mit. Anschließend gab es ein paar Auftritte in Unterhaltungssendungen hier und ein bisschen Boulevardfutter dort, vor allem als er sich medienwirksam mit seiner neuen, deutlich jüngeren Freundin und jetzigen Frau (deren Namen ich mir weder merken will noch kann) präsentierte und diese im Rahmen einer Dokusoap sogar heiratete. Dann, nach dem Ausscheiden von Xavier Naidoo, durfte er bei der RTL-Singshow »Deutschland sucht den Superstar« neben Dieter Bohlen als Juror Platz nehmen.

 

Vielleicht habe ich ja was übersehen, aber was genau aus dieser Liste von »Erfahrungen« hat den Wendler dazu befähigt, das Coronavirus angeblich besser zu verstehen und besser einschätzen zu können als Ärzte und Mediziner? Und woher will er wissen, dass Presse und Medien »gleichgeschaltet« sind, wenn er - abgesehen vom reinen Unterhaltungs- und Boulevardsektor - keinerlei Berührungen mit professionellem Journalismus hatte?

 

Die Antwort ist ganz einfach: Der Wendler hat zwar eine Meinung, aber keine Ahnung! Wie so viele heutzutage - leider. Den ganzen Coronaleugnern und vermeintlich »aufgeklärten« Zeitgenossen geht es ohnehin nicht um Fakten und Zahlen, sondern alleinig um irgendwelche subtilen Gefühle und deren Befriedigung. Von daher ist das Argument, dass ja an dem Anti-Corona- und Anti-Regierungsprotest »was dran sein muss«, wenn »so einer« wie der Wendler (oder Hildmann oder Naidoo oder wer auch immer) in dasselbe Horn bläst, schlicht und ergreifend Unsinn. Das wäre so, als würde ich sagen: »Nein, ich habe keine Karies. Meine Backe ist zwar geschwollen und tut weh, und ein Zahn ist auch schon ganz schwarz, aber irgendein Promi im Internet hat geschrieben, dass Zahnweh und Karies nur Fakes sind und gar nicht existieren.«

 

Von daher: Danke, lieber Michael Wendler, für diesen völlig überflüssigen Beitrag zum Weltgeschehen. Und nun, husch, husch, zurück mir dir in die mediale Versenkung, aus der du 2014 (leider) wieder hervorgekommen bist.


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.



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