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In eigener Sache: Wie es mit LitRebel weitergeht (falls es weitergeht)



2020 - was für ein verrücktes Jahr!

 

Hätte mir jemand vergangenes Sylvester erzählt, dass es für uns zur Normalität werden würde, mit Masken herumzulaufen, Abstand zu halten und vor verschlossenen Restaurants, Kinos und Theatern zu stehen, dass wir auf Konzerte, Urlaube und Oktoberfeste verzichten müssten, dass Donald Trump von einem Virus in die Knie gezwungen werden und der Himmel frei von Flugzeugen sein würde, ich hätte ihn als Spinner abgetan. Eine Pandemie, hier in Europa? Sogar in Deutschland? Mit Tausenden von Toten und überfüllten Intensivstationen? Unmöglich!

 

Dachten wir.

 

Heute wissen wir es besser. Corona hat uns alle fest im Griff, und obwohl es mittlerweile den ersten Hoffnungsschimmer in Form neuer Impfstoffe am Horizont gibt, wird diese gute Nachricht sogleich von einer weiteren düsteren überschattet. Neue Virusmutationen sind aufgetaucht, die um ein Vielfaches ansteckender sein sollen als die bisherigen [Quelle: SPIEGEL Online]. Uns allen ist jedenfalls klar: Corona wird uns noch lange begleiten. Und es wird unser Leben, wie wir es kannten, von Grund auf und für immer verändern - bzw. hat es schon getan.

 

Für mich als Schriftsteller war 2020 auch noch aus anderen Gründen ein außergewöhnliches Jahr. Im März hätte ich auf der Leipziger Buchmesse meinen neuen Roman 'Blutsbande' vorstellen sollen. Die Veranstaltung wurde wegen Corona abgesagt. Dasselbe Schicksal ereilte auch das Pendant in Frankfurt. Sämtliche Lesungen und Events, ob nun große oder kleine, fielen ins Wasser, eine Planung war schlicht nicht möglich. Jeden Tag neue Schreckensnachrichten über steigende Fallzahlen, jeden Tag aufs Neue die Ungewissheit, wann es wieder weitergehen kann. Für die kunstschaffende Szene, die im Wesentlichen von ihrem Publikum lebt, war 2020 eine Katastrophe biblischen Ausmaßes.

 

Für mich war es neben alledem aber auch eine Zeit des Nachdenkens und des Reflektierens.

 

Ich bin mittlerweile im 6. Jahr meines Schaffens als Independentautor. Im August 2015 war mein Debütroman 'GROSSE BRÜDER' erschienen - zunächst nur als E-Book, später auch als Taschenbuch. Mittlerweile sind drei weitere Bücher und eine Kurzgeschichte hinzugekommen. Ich habe eine Autorenseite hochgezogen, einen YouTube-Kanal, einen BLOG und einen Podcast, ich habe auf der Leipziger und Frankfurter Buchmesse gelesen, Leserunden auf Lovelybooks abgehalten, Werbung auf Facebook, Amazon und Tolino Media geschaltet, ich habe mich in den Sozialen Medien engagiert, bin diversen Vereinen beigetreten, habe mit Buchbloggern und Zeitungen kooperiert und noch vieles, vieles mehr. Der Großteil meiner Freizeit der vergangenen Jahre ist ausschließlich in die Schriftstellerei geflossen. Denn das Schreiben ist für mich eine Herzensangelegenheit! Mir geht es nicht (und ging es nie) um das große Geld, das große Vermögen, den großen Ruhm. Ich bin nicht mit dem Wunsch angetreten, ein zweiter Fitzek oder Dan Brown zu werden, mir ging es von Anfang an und in erster Linie darum, Menschen mit meinen Geschichten Freude zu bereiten; sie zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken, zum Mitfiebern zu bringen. Meine Leidenschaft ist das Geschichtenerzählen, und in meinem Kopf schwirren derart viele davon herum, dass ich ein weiteres Leben bräuchte, um sie alle niederzuschreiben und drucken zu lassen.

 

Doch die Literaturwelt ist ein hartes Pflaster. Ein sehr hartes sogar! Und irgendwann ist es für einen Künstler an der Zeit, zurückzublicken und sich zu fragen: Lohnt sich überhaupt, was ich da tue?

 

Für mich war dieser Zeitpunkt in 2020 gekommen.

 

Ich habe in sehr vielen sehr ruhigen Stunden darüber nachgedacht, was ich in den vergangenen 5 Jahren und 4 Monaten als Schriftsteller erreicht habe - und was nicht. Wie viele Leserinnen und Leser habe ich gewonnen, wie viele Follower und Fans? Wie viele Bücher habe ich verkauft, wie viel habe ich damit eingenommen und wie viel dafür ausgegeben? Was haben mir die vielen, vielen Dinge gebracht, die ich unternommen habe, um als Autor Fuß zu fassen, die vielen Projekte, Vertriebskanäle, sozialen Medien, Lesungen?

 

Leider muss ich sagen, dass das Ergebnis ernüchternd war.

 

In diesen etwas mehr als 5 Jahren habe ich - nach Abzug von Steuern und sonstigen Abgaben - etwas mehr als 700 € verdient. An allen Büchern, über die gesamte Zeit hinweg! Zeitgleich habe ich die gewaltige Summe von fast 6.000 € ausgegeben: Für Werbung, Coverdesigns, Leserunden, benötigte Software und Autorenwerkzeuge, für den Druck und Vertrieb meiner Bücher, Vereinsmitgliedschaften, das Web-Hosting, und natürlich auch für die Fahrten zu Messen und Lesungen, das benötigte Equipment, für Unterkünfte und Verpflegungen u.v.m. Nichts davon bekommt man umsonst, alles hat seinen Preis, und wer in der Schriftstellerei überhaupt eine Chance auf Erfolg haben möchte, der kommt um all das nicht herum.

 

Ich könnte das bis zu einem gewissen Grat verschmerzen, wenn zumindest abzusehen wäre, dass meine Bemühungen Früchte in Form einer langsam aber stetig wachsenden Fan-Gemeinde tragen würden. Ich habe, wie gesagt, nicht den Wunsch nach Heerscharen von begeisterten Leserinnen und Lesern, die mich auf Schritt und Tritt verfolgen und begierig all meine Bücher kaufen, aber dennoch lebe ich, wie alle Künstler, von meinem Publikum. Ein Schriftsteller ohne Leser*Innen ist wie ein Schauspieler, der seine Darbietung vor leeren Rängen gibt, oder ein Musiker, dem keiner zuhört. Und hier ist leider der nächste Knackpunkt: Zwar habe ich tatsächlich eine Hand voll sehr treuer und begeisterter Fans gewonnen (bei denen ich mich an dieser Stelle herzlichst und in tiefer, aufrichtiger Verbundenheit für ihre Unterstützung bedanken möchte), aber deren Anzahl ist über die Jahre auffallend konstant und überschaubar geblieben. Möglicherweise ist sie größer als ich denke - nur leider erfahre ich nichts davon. Es kommt einfach kein Feedback bei mir an. An Schreib- und Literaturwettbewerben habe ich ebenfalls teilgenommen, zuhauf sogar, mal mit ganzen Büchern, mal mit kurzen Geschichten oder Prosa. Doch all diese Mühen blieben vergebens. Bei keinem der Wettbewerbe bin ich auch nur in der Vorauswahl gelandet. Warum? Tja, wer weiß. Solche Jurys geben niemals ihre Gründe preis. Man muss mit der Ungewissheit leben.

 

Ende Oktober habe ich mich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Ich habe auf Facebook (wo mir aktuell immerhin über 200 Leute folgen) eine anonyme Umfrage gestartet. Sie bestand aus zehn kurzen und sehr einfachen Fragen, über die ich ein Gefühl dafür bekommen wollte, wie die Menschen meine schriftstellerische Arbeit und meine Bücher bewerten. Finden sie sie gut oder schlecht, spannend oder langweilig, und folgen sie mir aus echtem, literarischem Interesse oder nur aus irgendwelchen anderen Gründen? Das Ergebnis blieb weit hinter meinen Erwartungen zurück, denn nur 4 (!) Teilnehmer haben sich daran beteiligt.

 

Ein paar Monate zuvor hatte ich versucht, über die Plattform "Patreon" Unterstützer zu finden. Patreon bietet die Möglichkeit, jemandem Geld zu spenden, wenn man dessen Arbeit gut findet. Möglicherweise, habe ich mir gedacht, gibt es ja Leute, die das, was ich tue, unterstützenswert finden, die aber selbst keine Bücher lesen. Das war scheinbar ein Irrtum. Niemand hat sich daran beteiligt.

 

Und noch eine weitere, sehr ernüchternde Erfahrung habe ich machen müssen, nämlich, dass man uns Kunstschaffenden erschreckend oft mit Arroganz und Ablehnung begegnet. Dass Independentautoren von den großen Verlagen und den renommierten Buchkritikern keines Blickes gewürdigt werden, ist schon Normalzustand, daran gewöhnt man sich schnell. Auch bei den erfolgreichen und bekannten Buchbloggern braucht man gar nicht erst anzuklopfen, Anfragen bleiben unbeantwortet. Doch was mich erstaunt und auch etwas wütend gemacht hat, war, dass selbst kleine und kleinste Buchblogger mittlerweile dazu neigen, divenhafte Allüren an den Tag zu legen. Gleiches gilt für Buchhandlungen und örtliche Kulturbetriebe: Ich habe bei unzähligen nachgefragt, ob sie daran interessiert wären, eine - vollkommen kostenlose! - Lesung mit mir zu organisieren. In 6 von 10 Fällen habe ich gar keine Antwort erhalten, in den restlichen hieß es entweder barsch und abweisend: "Nee, kein Interesse!", oder man hat mich bis zum jüngsten Tag vertröstet (schöne Grüße übrigens an die Marler "Insel").

 

Damit komme ich zum entscheidenden Punkt: Wie wird es mit mir als Schriftsteller weitergehen? Was wird das Jahr 2021 bringen?

 

Zunächst die gute Nachricht für alle Fans und Interessierten: Es wird einen neuen Roman von mir geben. Ich werde im Januar mit den Planungs- und Schreibarbeiten beginnen, und ich halte es für realistisch, im November oder Dezember eine Veröffentlichung anzupeilen. Vom Thema und Genre her wird es abermals etwas Neues und Frisches sein, lasst Euch einfach überraschen.

 

Nun aber die schlechte Nachricht, die bekanntlich immer auf die gute folgt: Dieses neue Buch wird mein letzter Versuch sein, als Schriftsteller Fuß zu fassen und voranzukommen. Sollte sich bis Mitte/Ende 2022 (also in zwei Jahren) kein ernsthafter, messbarer Erfolg einstellen - sei er monetär oder menschlich (oder beides) -, sollte die Bekanntheit meiner Bücher weiterhin hinter den Erwartungen zurückblieben und die Kosten weiterhin signifikant über den Einnahmen liegen, sollte sich an den Fan- und Followerzahlen nichts zum Positiven hin ändern, dann werde ich meine literarische Arbeit beenden und mich aus der Schriftstellerei zurückziehen.

 

Dieser Schritt mag hart klingen, aber bitte bedenkt: Neben Geld und Herzblut fließt in jedes einzelne Buchprojekt vor allem sehr, sehr, sehr viel Zeit. Unfassbar viel Zeit! Für 'GROSSE BRÜDER' und 'HINDEL' habe ich jeweils ein Jahr gebraucht, für die Gaunerspiele-Bände jeweils 3 bis 4 Monate. Ich habe jede freie Minute, die ich hatte, sowohl unter der Woche als auch am Wochenende, mit Schreiben und Korrekturlesen verbracht. Nicht selten bin ich nachts aufgestanden und habe mich, während meine Familie schlief, an den PC gesetzt, um die Zeit bis zum Weckerklingeln für meine Bücher zu nutzen. Oder in meiner Mittagspause. Oder in meinem Urlaub. Und ich habe das gerne getan. Denn meine Hoffnung war, dass meine Geschichten eines Tages vielen Menschen Freude bereiten würden.

 

Wenn ich aber feststellen muss, dass sich kaum jemand für all das interessiert - und das meine ich vollkommen wertungsfrei und ohne Gehässigkeit -, dann muss ich mir eben eingestehen, der falsche Schriftsteller für diese Zeit und dieses Publikum zu sein. Das würde mir im wahrsten Sinne des Wortes das Herz brechen, keine Frage. Es wäre ein harter, schmerzhafter, sehr trauriger Schritt für mich. Aber letztlich ein notwendiger.

 

Von daher lautet mein Motto für 2021: Mal sehen, was kommt. Alles kann, nichts muss.

 

Ich würde mich sehr darüber freuen, könnte ich meine Arbeit als Schriftsteller fortsetzen. Dazu muss sich aber signifikant etwas ändern. Ich möchte Euch daher von ganzem Herzen und abermals um Eure Unterstützung bitten! Kauft meine Bücher und empfehlt sie weiter, macht Eure Freunde, Bekannten und Verwandten, Buchhandlungen und Veranstalter auf mich aufmerksam, und vor allem: Lasst mich wissen, was Ihr denkt! Ohne Euch, ohne ein Publikum kann ich als Künstler nicht überleben.

 

In diesem Sinne danke ich Euch für alles und wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

Passt auf Euch auf und bleibt gesund! Wir sehen uns in 2021.

 

* * *

 

Nachtrag 22.02.2021:

Nach langem und intensivem Grübeln habe ich eine Entscheidung getroffen, wie meine schriftstellerische Zukunft aussehen wird. Als Spoiler: Es wird weitergehen! Denn ich habe eine wichtige Sache erkannt, die mir weitergeholfen hat. Welche das war, erfahrt Ihr hier.


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.



Kommentare

Kommentare: 1
  • #1

    Xenia (Samstag, 20 März 2021 14:04)

    Hallo, ich habe gerade Deine Seite entdeckt und finde sie sehr erfrischend geschrieben. Sehr schön, lieben Dank für die Texte. Verstehen kann ich es, wenn das, wofür du brennst, mit zügelloser Leidenschaft deine Zeit gerne einsetzt, sich ein stimmiges Gefühl in dir breit macht, ja wenn alles da ist und es dennoch keine Früchte trägt - es durchaus mühselig werden kann. Ich hoffe du wirst bald ernten und ich werde noch viel von dir lesen dürfen. Lieben Gruß Xenia