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Das Leben ist sinnlos - ich kann's beweisen!



Okay, ich gestehe: Meine Frau und ich schauen uns Tiersendungen im Fernsehen an. Am liebsten die von ARTE, denn die sind unserer Meinung nach die schönsten und professionellsten. Meine Stieftochter rollt immer mit den Augen, wenn sie ins Wohnzimmer kommt und uns dabei "erwischt". Alte-Leute-Fernsehen nennt sie das, und in gewisser Weise hat sie damit recht. Denn als ich in ihrem Alter war, hat mich so was auch kein bisschen interessiert. Erst jetzt, nachdem ich statistisch gesehen die Hälfte meines Weges bis zum Dahinscheiden hinter mich gebracht habe, kann ich mich für so etwas begeistern.

 

Wie auch immer man zu solchen Sendungen steht, mich haben sie in vielerlei Hinsicht nachdenklich gemacht; was die unfassbare Schönheit unseres Planeten angeht (für die wir in unserem hektischen Alltag bisweilen kein Auge mehr haben), als auch über die Zerstörung desselbigen durch uns Menschen. Und über das Leben im Allgemeinen. Wenn man eine Elefantenherde dabei beobachtet, wie sie von einer Wasserstelle zur nächsten wandert, oder einen Löwen, der sich sein nächstes Beutetier reißt, oder einen Blauwal, der sich liebevoll um sein Junges kümmert, oder ein Wachtelmännchen, welches um ein Weibchen balzt, dann fängt man unwillkürlich an, über das eigene, das menschliche Dasein nachzudenken und sich zu fragen: Was ist eigentlich der Sinn und Zweck hinter alledem?

 

Das Interessante an dieser Frage ist: Tiere denken über so was nicht nach! Zumindest nicht dass ich wüsste. Die Suche nach einem Sinn im Leben, nach Bedeutung, Erklärungen, einem Grund, ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft, die zudem eine enorme intellektuelle Leistung erfordert. Das Leben gibt uns gewisse Gesetzmäßigkeiten vor, die uns jeden Tag begleiten und mit denen wir immerzu konfrontiert werden - beispielsweise das Bedürfnis nach Nahrung und Schlaf, aber auch nach Zusammensein, Bestätigung und Liebe. Wir leben nach diesen Regeln, ob wir wollen oder nicht, so wie wir auch mit der Gravitation leben. In diesem Punkt unterscheiden wir uns nicht von Tieren. Doch dann kommt ein Teil unseres Gehirns ins Spiel, der die Dinge um uns herum nicht nur wahrnimmt, sondern sie zu hinterfragen beginnt. Wie ein kleines, neugieriges Kind analysiert dieses Areal die Einflüsse, die auf uns einwirken, all die Bilder, Geräusche, Gefühle, Farben und Formen, Erlebnisse und Ereignisse, und versucht, zwischen diesen einen Zusammenhang herzustellen und ein übergeordnetes Muster zu erkennen. Wenn wir uns den Finger an einer offenen Flamme verbrennen, verbindet unser Hirn diese zwei Informationen zu einer ebenso einfachen wie wichtigen Schlussfolgerung, nämlich: Eine Flamme kann uns Schmerzen zufügen und muss daher mit Vorsicht behandelt werden. Doch es hört an dieser Stelle nicht etwa auf, es sucht nach weiteren Mustern. Beispielsweise stellt es sich die Frage: Wofür kann man offene Flammen benutzen? Oder: Warum ist offenes Feuer eigentlich heiß? Oder: Wie entsteht Feuer überhaupt? Oder: Warum brennen manche Dinge (wie Holz) sehr gut, andere hingegen (z.B. Steine) überhaupt nicht? Ohne diese Eigenschaft des ständigen Hinterfragens und Erforschens, ohne diese unstillbare Neugier, die uns dazu bringt, die Dinge um uns herum immer tiefer und genauer durchdringen und verstehen zu wollen, wären wir heute nicht die, die wir sind. Unser analytisches Denken, vor allem aber unsere Fähigkeit der Mustererkennung hat uns einen evolutionären Vorteil verschafft, der dazu geführt hat, dass wir - obwohl wir beileibe nicht die stärksten, größten oder robustesten Wesen auf dem Planeten sind - die Vorherrschaft über diesen übernehmen konnten und mittlerweile in der Lage sind, Dinge zu tun, die vor wenigen Jahren bzw. Jahrzehnten wie Science Fiction oder Magie gewirkt hätten.

 

Dummerweise ist das gleichermaßen Segen und Fluch.

 

Denn einerseits haben wir es dadurch geschafft, atemberaubende Erfindungen zu vollbringen, die unser Leben verbessert, erleichtert und deutlich verlängert haben (man denke nur an die moderne Medizin, an Autos, Flugzeuge, die Elektrizität oder Computer), doch gleichzeitig scheint unser "Durst" nach Erkenntnis, nach immer neuen Entdeckungen geradezu unstillbar zu sein. Wir ähneln König Midas, jener sagenumwobenen Figur, die nichts sosehr begehrte wie Gold und sich daher wünschte, alles, was sie berührte, möge sich in eben dieses Edelmetall verwandeln. Nur dass unser Gold kein Gold ist, sondern Wissen. Immer neues Wissen, immer mehr davon. Wir kennen keine Grenzen. Ich glaube, dass es Stephen Hawking gewesen ist, der einmal gesagt hat: "Alles, was es zu erforschen gibt, wird der Mensch auch erforschen." Tagtäglich können wir mit ansehen, wie er damit recht behält. Wir dringen immer tiefer in die Geheimnisse des Universums vor. Vieles, was wir mit diesem Wissen vollbringen, ist gut und hilfreich, doch mindestens ebenso vieles ist gefährlich, schlecht oder sogar katastrophal. Die Atombombe hätte es beispielsweise nie gegeben, hätten Wissenschaftler nicht an Atomen geforscht und an der Energie, die entsteht, sobald man ihre Kerne spaltet. Gleichzeitig würde es aber auch keine Nuklearmedizin geben, die bis heute viele Tausende von Leben gerettet hat. Eine paradoxe, fast schizophrene Situation: Bei allem, was wir tun, und bei allem, was wir entdecken, liegen Gut und Böse so dicht beieinander, dass man die Grenze zwischen ihnen kaum erkennen kann oder sie sogar verschwimmt.

 

Warum hören wir dann nicht einfach damit auf?, könnte man an dieser Stelle fragen. Reicht das Wissen, welches wir bis hierhin angesammelt haben, nicht aus? Müssen wir unbedingt noch mehr davon haben?

 

Selbst wenn sich diese Frage mit einem klaren "Ja" oder "Nein" beantworten ließe - was beileibe nicht so einfach ist, wie es vielleicht klingt -, können wir unsere Neugier nicht einfach abstellen, wir können nicht mit unserer Suche nach Erkenntnis aufhören. Dieser Drang, dieser Antrieb ist so tief in uns verankert, dass er uns maßgeblich prägt und ausmacht. Bei allem, was wir tun, geistert uns eine Frage durch den Kopf: Warum ist das so? Wir sind überzeugt davon, dass hinter allem was geschieht ein höheres, komplexeres, umfangreicheres Regelwerk stecken muss, welches die Einzelteile zusammenhält und festlegt, wann etwas passiert und wie genau es passiert. Auf die eine Meta-Ebene folgt in unserer Vorstellung die nächste, dann die nächste, und so weiter. Wie die Schichten einer Zwiebel.

 

Irgendwann stoßen wir bei unseren Forschungsreisen allerdings auf eine interessante Grenze - die Philosophen seit Jahrtausenden beschäftigt: Nur weil wir in der Lage sind, die Funktionsweise einer Sache zu erklären, heißt das noch lange nicht, dass wir verstehen, weshalb es diese Sache gibt. Wir können noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, dass auf diese Frage überhaupt eine Antwort existiert. Wenn wir beispielsweise erklären können, weshalb ein Stein auf den Boden plumpst, sobald wir ihn fallenlassen, und nicht etwa zum Himmel aufsteigt, dann haben wir die Gesetze der Gravitation verstanden, aber wir haben keine Ahnung, weshalb es diese Gesetze überhaupt gibt und warum sie sich auf diese Weise manifestieren und nicht vollkommen anders. Wir sehen uns mit einem bizarren Geheimnis des Lebens konfrontiert, das uns keine Ruhe lässt. Die ursprüngliche Frage nach dem "Warum ist das so?" wird von uns ergänzt um die (um ein Vielfaches komplexere) Frage nach dem "Warum ist es genau so, warum nicht anders?". Unser wissensdurstiges Hirn kann und will sich nicht damit abfinden, dass es etwas nicht versteht, und es versucht in alter Gewohnheit, ein Muster zu erkennen. Genau hier beginnt ein fundamentales Problem: Das Universum bietet uns darauf keine Antwort! Es ist vergleichbar mit einer unfassbar komplexen Maschine, die aus unfassbar vielen Einzelteilen besteht, und wir sind nur in der Lage, ihre Funktionsweise zu verstehen, nicht aber ihren Ursprung oder ihren Einsatzzweck. Denn auch wir sind ein Teil dieser Maschine, wir sehen den IST-Zustand und können daraus unsere Schlüsse ziehen, mehr aber nicht.

 

Was nun passiert, ist typisch menschlich: Da wir auf die universellen, über die reine Funktionsweise hinausgehenden Fragen keine Antwort finden, beginnen wir zu vermuten! Wir schmieden Hypothesen, treffen Annahmen, rätseln, raten und träumen. Wir füllen die Bereiche unseres Lebens, bei denen wir keine zufriedenstellenden Muster entdecken können, mit Spekulationen, die sich wiederum aus unseren bisherigen Erfahrungen ableiten. Habt Ihr Euch schon mal gefragt, weshalb Gottheiten in Religionen auffallend menschliche Züge und Verhaltensweisen besitzen? Die griechische Mythologie ist ein Paradebeispiel dafür: Unentwegt werden Beziehungen geschlossen, Vertrauen missbraucht, Kriege geführt, Familienmitglieder verbannt oder getötet, Kinder gezeugt und geboren, Handel geführt, Dinge gestohlen, Interessen gewahrt oder Strategien entwickelt. Dasselbe gilt auch für die christliche bzw. jüdische Religion: Gott als gleichermaßen liebender wie strenger Vater, der einen Sohn hat, Luzifer, der Abtrünnige und Gegenspieler, der über seinen Machthunger gestolpert ist, die Engel als Heerscharen und Soldaten, die bisweilen Krieg führen, das Prinzip der Bestrafung böser Taten und die Belohnung guter - all das sind zutiefst menschliche Motive, die unseren Alltag und unser Leben seit Anbeginn der Zeit prägen.

 

Nun könnte man einwenden: Vielleicht sind wir Menschen ja so, wie wir sind, weil wir nach dem Ebenbild einer solchen Gottheit erschaffen wurden. Unsere Eigenschaften spiegeln demnach die Eigenschaften dieser Gottheit wider und fließen deshalb auch in die jeweiligen religiösen Schriften ein.

 

Ja, das wäre eine nette Theorie. Dummerweise - und jetzt kommt der entscheidendste Knackpunkt - gibt es für nichts von alledem einen schlüssigen Beweis. Für gar nichts! Niemandem ist es je gelungen, die Existenz irgendeiner Gottheit zu belegen, und zwar auf derlei Weise, dass es keinen Zweifel mehr daran geben kann. Ein gläubiger Christ sagte mal zu mir: "Wenn man die Existenz Gottes wissenschaftlich beweisen könnte, dann wäre der Glaube kein Glaube mehr, sondern eine Wissenschaft." Das ist korrekt. Aber darin zeigt sich auch das Dilemma, in dem Religionen ganz allgemein stecken: Sie sprechen von hypothetischen Dingen in hypothetischen Dimensionen, ohne irgendwelche Belege dafür liefern zu können. Mehr noch, ihr Dasein ist sogar maßgeblich an diese Nichtbeweisbarkeit gekoppelt. Und das ist ein Problem! Denn jemand könnte ebenso gut behaupten, das Universum sei von einem drei Millionen Kilometer großen Tintenfisch mit einem Papageienkopf und dem Gesicht von Danny DeVito erschaffen worden, und niemand könnte schlüssig belegen, weshalb diese Annahme weniger wahrscheinlich sein soll als irgendeine andere. Die Person könnte damit 100% richtig liegen oder völlig falsch oder irgendwo dazwischen. Niemand würde es je sagen können. Religionen waren, sind und werden immer rein spekulativ sein. Genau das ist der Pferdefuß daran. Und genau deshalb eignen sie sich nicht, um das Leben jenseits der reinen Mechanik zu erklären.

 

Doch was bleibt noch übrig, um Antworten zu finden?

 

Fassen wir zusammen: Wir können die Funktionsweise des Universums erforschen und erklären, aber nicht den elementaren, ursprünglichen Grund seiner Existenz. Wir können verstehen, wie die einzelnen Bestandteile, aus denen es zusammengebaut ist, ineinandergreifen, aber nicht, weshalb sie es genau so tun und nicht anders. Und alle hypothetischen Ansätze in Form von Religionen oder mystischen Vorstellungen, die eine Erklärung dafür zu liefern versuchen, fallen bei genauerer Betrachtung in sich zusammen, da sie das ursprüngliche Problem nicht lösen, sondern ebenso an ihm scheitern. Wir haben einfach keine Informationen, keine Grundlage, nichts woran wir ansetzen können, um den "Sinn und Zweck" hinter alledem aufzudecken.

 

Das ist ein echtes Dilemma für uns. Wir können uns mit diesem Informationsvakuum nicht abfinden, wir wollen einfach wissen, wieso wir Menschen existieren und welchen Zweck wir mit unserem Leben erfüllen. Die Vorstellung, dass etwas grundlos passiert, einfach so, ohne einen allumfassenden, erklärenden Sinn, ohne ein übergeordnetes Ziel, erscheint uns unerträglich und wie Ketzerei wider unsere Natur.

 

An dieser Stelle kommen die Tiersendungen wieder ins Spiel, die ich zu Beginn erwähnt habe. Ein Elefant fragt sich nicht, weshalb er von einer Wasserstelle zur nächsten läuft - er tut es einfach, um zu trinken. Er fragt sich auch nicht, weshalb er täglich kiloweise Grünfutter frisst - er tut es, um satt zu werden und zu überleben. Was wäre nun, wenn es den Elefanten gar nicht gäbe? Oder wenn er mit dem Fressen und Trinken aufhören und aussterben würde? Dann gäbe es ihn eben nicht (mehr). Gleiches gilt auch für uns Menschen: Würden wir uns nicht fortpflanzen, uns nicht ernähren, kleiden oder auf dem Planeten ausbreiten, dann hätte das keinerlei schwerwiegenden Einfluss auf das Universum. Zwar reißt das Aussterben einer Spezies stets eine Lücke in das Gleichgewicht der Natur, aber wenn man das von einer höheren, einer "galaktischen" Perspektive aus betrachtet, wäre es sogar egal und bedeutungslos, wenn unser gesamter Planet untergehen und verschwinden würde.

 

Ironischerweise ist das gar kein theoretisches oder übertrieben fatalistisches Szenario, sondern vielmehr eine unabwendbare Tatsache, auf die wir uns mit jeder Sekunde unseres Daseins zubewegen - auch wenn wir das gerne verdrängen. Wissenschaftler schätzen, dass unsere Sonne noch für etwa vier bis fünf Milliarden Jahre Brennstoff hat, danach wird sie verglühen und erlöschen [Quelle: Planet Wissen]. Spätestens dann wird alles Leben auf der Erde enden (vorausgesetzt natürlich, dass wir Menschen diesen "Job" bis dahin nicht selbst erledigt haben). Sogar das Universum in seiner Gesamtheit wird irgendwann bewiesenermaßen sterben. Unabhängig davon, ob es sich nach dem Erreichen seiner maximalen Ausdehnung wieder zusammenzieht - was manche Wissenschaftler glauben - oder es sich ewig weiter ausdehnt - was wiederum andere für möglich halten -, in zehn hoch hundert Jahren (10100 = 10 Sexdezilliarden) wird es definitiv kein Leben mehr darin geben können [Quelle: Planet Wissen]. Das ist zwar eine unfassbar lange Zeit, die dennoch irgendwann zu Ende gehen wird. Unsere Existenz ist somit von Anfang an zeitlich begrenzt.

 

Nimmt man diese kosmischen Maßstäbe und Zeitlinien als Vergleichsgrundlage, wird auf einmal klar, wie unbedeutend und mickrig wir Menschen mit unseren kurzen Leben doch sind, und welche Bedeutung unser Dasein hat. Nämlich gar keine! Egal ob wir gut oder schlecht leben, viele Kinder zeugen oder wenige, großartige Dinge erforschen oder Lappalien, Reichtümer ansammeln oder arm bleiben, am Ende werden wir sowieso vergehen und verschwinden - wie auch das ganze Universum um uns herum. Das ist eine wichtige Tatsache! Wir können nicht sagen, warum wir existieren, wir können aber mit definitiver Sicherheit sagen, dass wir es irgendwann nicht mehr tun werden, so oder so. Unter diesem Gesichtspunkt verlieren alle Dinge, die wir tun, ihre Relevanz. Man könnte das mit einem Museumsdirektor vergleichen, der übereifrig Unmengen an Kunstschätzen sammelt, obwohl er weiß, dass das Museum eines Tages mit all seinen Schätzen abbrennen wird. Wird sich sein Eifer trotzdem gelohnt haben?

 

Das ist die alles entscheidende Frage: Wird sich überhaupt etwas von dem lohnen, was wir tun, wenn das Universum eines Tages zu Ende geht?

 

Die ernüchternde Antwort lautet: Nein. Unser Leben ist vollkommen sinnlos!

 

Wenn wir den Maßstab kleiner fassen - und zwar sehr viel kleiner -, sieht die Sache etwas besser aus. Ein Mensch könnte beispielsweise argumentieren, er setze Kinder in die Welt, um einerseits den Fortbestand unserer Spezies zu sichern, und andererseits, um damit einen Teil von sich selbst in den Kindern fortleben zu lassen. Alles, was er ihnen beibringt, alle Erfahrungen und Eindrücke, die er mit ihnen teilt, prägen deren Persönlichkeit und hinterlassen Spuren - positive wie negative. Damit hätte er für sich selbst einen höheren Sinn hinter dem Akt des Kinderkriegens definiert. Doch reicht das, um die Sinnfrage für andere Menschen zu beantworten? Reicht es möglicherweise sogar für die gesamte Menschheit? Nein, tut es nicht. Denn manche Menschen möchten überhaupt keine Kinder haben. Andere wiederum können keine Kinder kriegen, obwohl sie das gerne würden. Und eine dritte Gruppe bekommt zwar Kinder, gibt diese aber zur Adoption frei, weil sie nie den Wunsch danach hatten oder in einer schwierigen Lage stecken. Das Kinderkriegen als sinnstiftende Angelegenheit ist somit etwas sehr Persönliches und Individuelles.

 

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass dies auf alles zutrifft, was Menschen in ihrem Leben tun. Manche lieben beispielsweise Puzzles und können Stunden mit ihnen verbringen, andere wiederum züchten Rosen oder fahren schnelle Autos. Manche kochen gerne oder malen Bilder, andere musizieren oder schreiben Romane (zwinker, zwinker!). Manche gehen mit Leidenschaft ihrem Beruf nach, andere wandern in ein fremdes Land aus, um sich selbst zu finden. Manche treiben Sport oder klettern auf Berge, andere wiederum verschreiben sich einer Religion oder spirituellen Bewegung. Manche werden Wissenschaftler und erforschen das Universum, andere graben Felder um oder bauen Häuser. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst, was ihm Sinn im Leben gibt und was nicht. Es ist eine ganz persönliche, individuelle Entscheidung, die nicht oder nur in geringem Maße auf andere übertragen werden kann. Und einen universellen und für alle Menschen über alle Zeitepochen hinweg gültigen Sinn kann man daraus nicht ableiten - denn es gibt keinen.

 

Somit bleiben am Ende folgende Erkenntnisse übrig:

  1. Was wir zu unseren Lebzeiten tun, spielt nur in einem sehr begrenzten Rahmen irgendeine Rolle.
  2. Im Gesamtkontext des Universums sind wir vollkommen unwichtig und verzichtbar.
  3. Was für uns sinnstiftend ist, entscheiden wir allein.

Was ist die Konsequenz daraus? Ganz einfach: Wir müssen endlich aufhören, ein Rätsel lösen zu wollen, welches gar keine Lösung hat - nämlich die Suche nach einem universellen Sinn -, und einfach damit anfangen, unser Leben als das zu begreifen, was es ist, nämlich eine kurze Etappe in einem riesigen Zeitgefüge. Wir sollten bescheiden und dankbar sein für die einzigartige Chance, ein solches Abenteuer erleben zu dürfen, denn wir sind Teil eines unvorstellbar großen, wunderschönen, atemberaubend komplexen Universums.

 

Oder anders gesagt: Im Leben steckt der Sinn des Lebens.

 

Ich persönlich finde das eine großartige Sache.


Was denkt Ihr darüber? Sagt mir gerne Eure Meinung dazu. Seht Ihr es genauso wie ich oder anders? Ich freue mich auf Euer Feedback.



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