Aus Liebe zur Sprache

Die Vision von LitRebel, der Literaturrebellion ...


... oder was sie hätte werden sollen!

 

Manchmal ist es verdammt schwer, Dinge in Worte zu fassen, die man sagen möchte - selbst für einen Schriftsteller. Manchmal ist es einfacher, nicht all zu lange über Formulierungen nachzudenken, sondern sich seine Gefühle frei von der Seele zu schreiben. Dieser Text ist das Ergebnis eines solchen Versuchs. Ich würde mich freuen, wenn Sie ihn bis zum Ende lesen. (Er ist nicht lang, keine Sorge.)

 

Vor über 6 Jahren habe ich eine Reise begonnen: Ich habe mich dazu entschlossen, Schriftsteller zu werden. Mein Ziel war es nicht, damit reich oder berühmt zu werden, ich wollte kein Jetset-Leben führen, von Veranstaltung zu Veranstaltung hetzen und mit Auszeichnungen überschüttet werden. Mir ging es in erster Linie darum, die vielen interessanten und spannenden Geschichten, die sich in meinem Kopf angesammelt hatten, anderen Menschen zugänglich zu machen und ihnen damit eine Freude zu bereiten. Und ich war es leid, immer nur dieselben Klischees und Stereotypen in Romanen wiederzufinden, immer dieselbe Massenware, dieselben voraussehbaren Handlungen, dieses literarische "Fast Food" allerorten. Bücher als Freude und Erlebnis, das war mein Wunsch gewesen. Bücher als Abenteuer und Spaß am geschriebenen Wort und als intellektuelle Herausforderung. Diesem Weg bin ich gefolgt, mit Leidenschaft, Energie und vollem Einsatz.

 

Leider muss ich sagen, dass diese Leidenschaft mittlerweile erloschen ist.

 

Der erste Grund dafür liegt im Literaturmarkt. Dieser ist unfassbar hart umkämpft und völlig übersättigt. Allein in Deutschland erscheinen jedes Jahr knapp 90.000 neue Bücher, davon etwa die Hälfte im Bereich Belletristik (Romane und Unterhaltungsliteratur). Gleichzeitig nimmt die Zahl derer, die überhaupt noch Bücher lesen, seit Jahren ab. Ein riesiges Angebot trifft auf einen schrumpfenden Markt und auf immer weniger Interessenten. Sich in diesem Umfeld zu behaupten, um auch nur ansatzweise eine Daseinsberechtigung zu haben, ist irrsinnig schwer und erschöpfend.

 

Noch weit schwerer wiegt allerdings der zweite Grund: Das Konsumverhalten vieler Menschen. Kunst- und Kulturprodukte wie Musikstücke, Filme und eben auch Bücher werden von vielen nicht mehr als aufwändig gestaltete Werke gesehen, in denen Hunderte, manchmal Tausende Arbeitsstunden stecken, viel Geld und mindestens ebenso viel Herzblut, sondern als "Wegwerfware", die man möglichst schnell, möglichst billig und in beliebiger Menge konsumieren möchte. Gemessen an vielem, was sich Menschen tagtäglich kaufen und wofür sie gerne bereit sind, Geld auszugeben (Handys, Spielekonsolen, Kleidung, Schmuck, ...), sind Bücher unfassbar günstig. Eigentlich sogar Schnäppchen. Dennoch nimmt die Bereitschaft, für Bücher Geld auszugeben oder eine andere, damit vergleichbare Gegenleistung wie eine Rezension oder Mundpropaganda zu erbringen, massiv ab. Das bricht freien Autoren wie mir das Genick. Wie ich schon sagte: Neben der Leidenschaft zum Schreiben stecken in jedem Buch sehr viel Zeit und auch sehr viel Geld. Niemand macht das, ohne sich eine Gegenleistung zu wünschen. Wer Bücher und Geschichten veröffentlicht, möchte irgendwann die Früchte seiner Arbeit ernten: Mehr Fans, mehr Verkäufe, mehr Rezensionen, mehr Interessenten.

 

Bei mir ist das nicht der Fall. Oder eher: zu wenig.

 

Ich habe unvorstellbar vieles ausprobiert, um mir eine Bekanntheit zu erarbeiten, um meinen Platz in der Literaturwelt zu finden. Ich habe auf den großen Buchmessen Lesungen gehalten, ebenso bei kleineren Events, ich habe Werbung auf Facebook und Amazon geschaltet, Rezensionsexemplare an Blogger verteilt, Leserunden auf Lovelybooks gehalten, ein Hörspiel fürs Radio gestaltet. Ich habe Buchhändler und Büchereien angeschrieben, um sie nach Kooperationen zu fragen, habe Preis- und Rabattaktionen ausgerufen und die Cover meiner Bücher professionell designen lassen. Ich habe den Qualitätssicherungsprozess meiner Bücher massiv verbessert, meinen Schreib- und Erzählstil optimiert und mich so weit an professionelle Verlagsbücher angenähert wie ich nur konnte. Alles privat, alles aus eigener Tasche finanziert, alles getrieben durch Leidenschaft und Motivation.

 

Am Ende hat das leider nichts genützt.

 

Ich stehe nach wie vor fast am Anfang. Eine Fanbase konnte ich mir aufbauen - sie ist aber so klein, dass sie kaum einen Unterschied macht. In den sozialen Medien folgen mir mehrere Hundert Menschen - die allermeisten scheinen sich aber gar nicht für meine Arbeit als Schriftsteller zu interessieren. Ich habe ein paar Hundert Bücher verkauft - einen langfristigen Effekt hatte das aber nicht, geschweige denn, dass ich damit meine Kosten hätte decken können. Ich habe sehr positive Rezensionen und viel Lob für meine Bücher erhalten - allerdings ebenfalls ohne nennenswerten Einfluss auf meine Bekanntheit.

 

Am schlimmsten jedoch - und das möchte ich nochmals unterstreichen - wiegt für mich das oben erwähnte Konsumverhalten. Gerade in den letzten Wochen musste ich erleben, dass Leute geduldig abgewartet haben, bis ich meine Bücher umsonst abgegeben habe, um dann freudig die Hand zu heben und "abzustauben". Wohlgemerkt: Unter diesen Menschen waren beileibe nicht nur solche, denen ich als Autor unbekannt war, sondern auch jene, die bereits Bücher von mir gelesen hatten, sie gut fanden und mir seit Jahren folgten. Sorry, Leute, aber so sieht keine Unterstützung aus! Und es zeugt nicht von Respekt gegenüber dem Autor und seiner harten Arbeit.

 

Aus diesem Grund habe ich mich schweren Herzens dazu entschlossen, meine Arbeit als Schriftsteller zu beenden.

 

Ich werde keine weiteren Bücher schreiben oder veröffentlichen. Es wird keine Hörspiele, Lesungen oder sonstigen Events mehr mit mir geben. Die Arbeit an meinem fünften Roman "Stadt der Seelen" habe ich abgebrochen, es wird nicht mehr fertiggestellt werden. Die bisherigen Bücher belasse ich natürlich im Verkauf, allerdings nur als E-Books. Weitere Formate werde ich nicht unterstützen. Meine Autoren- und Facebookseite lasse ich online, ebenso meinen Podcast und meinen YouTube-Kanal, alles andere wird abgeschaltet und eingestellt.

 

Ich weiß, dass sich das in meiner Neujahrsansprache noch anders angehört hat, aber ich musste mir mittlerweile eingestehen, mir etwas vorgemacht zu haben. Es tut mir unfassbar weh, diesen Schritt zu tun, doch ab einem bestimmten Punkt ist es wichtig, aufrichtig zu sich selbst zu sein und sich einzugestehen, dass ein angestrebtes Projekt, ein eingeschlagener Weg offensichtlich gescheitert ist. Das ist nicht schön, beileibe nicht! Es ist der traurigste Moment meiner Laufbahn. Doch leider weiß ich keine Alternative. Ich fühle mich erschöpft, desillusioniert und ernüchtert - und mit dieser Einstellung kann und will ich einfach keine Bücher mehr schreiben.

 

Nichts desto trotz möchte ich all jenen ein riesengroßes Dankeschön aussprechen, die mich bis hierhin unterstützt und mir als Fans wahrhaft die Treue gehalten haben. Ihr werdet stets einen Platz in meinem Herzen haben, und es tut mir wahnsinnig leid, dass ich Euch mit dieser Entscheidung enttäusche. Ich hoffe, Ihr versteht das trotzdem.

 

Natürlich könnt Ihr mir jederzeit gerne Eure Meinung dazu sagen. Ich freue mich über jedes Feedback.

 

Viele Grüße,

Marco Born-Miljak 


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