Aus Liebe zur Sprache

Was die Vision von LitRebel war ... und warum sie gescheitert ist.


Manchmal ist es verdammt schwer, Dinge in Worte zu fassen, die man sagen möchte - selbst für einen Schriftsteller. Manchmal ist es deutlich einfacher, nicht all zu lange über Formulierungen nachzudenken, sondern sich seine Gefühle frei von der Seele zu schreiben. Dieser Text ist das Ergebnis eines solchen Versuchs. Ich würde mich freuen, wenn Sie ihn bis zum Ende lesen. (Er ist nicht lang, keine Sorge.)

 

Vor über 6 Jahren habe ich eine Reise begonnen: Ich habe mich dazu entschlossen, Schriftsteller zu werden. Mein Ziel war es nicht, reich oder berühmt zu werden, mir ging es in erster Linie darum, den Literaturmarkt um ein paar interessante und kreative Ideen zu bereichern und bücherbegeisterten Menschen damit eine Freude zu bereiten. Da ich selbst auch ein solcher Bücherfan bin, war ich es leid, immer nur dieselben Klischees und Stereotypen in Romanen wiederzufinden, immer dieselbe Massenware, dieselben vorhersagbaren Handlungen, dieses literarische "Fast Food". Bücher als Freude und Erlebnis, das war schon immer meine Passion gewesen. Bücher als Abenteuer und Spaß am geschriebenen Wort. Diesem Weg bin ich gefolgt, mit Leidenschaft, Energie und vollem Einsatz.

 

Leider muss ich sagen, dass diese Leidenschaft mittlerweile erloschen ist.

 

Ich könnte jetzt stundenlang davon erzählen, wie hart es auf dem Literaturmarkt zugeht und wie schwer es ist, dort Fuß zu fassen. Doch das eigentliche, das viel gravierendere Problem ist nicht der Literaturmarkt, sondern das Konsumverhalten vieler Menschen. Kunst- und Kulturprodukte wie Musikstücke, Filme und eben auch Bücher werden nicht mehr als aufwändig gestaltete Werke gesehen, in denen Hunderte, manchmal sogar Tausende Arbeitsstunden stecken, sehr viel Geld und mindestens ebenso viel Herzblut, sondern als "Wegwerfware", die man möglichst schnell, möglichst billig und in beliebiger Menge konsumieren möchte. Gemessen an vielem, was sich Menschen kaufen und wofür sie gerne bereit sind Geld auszugeben (Handys, Spielekonsolen, Kleidung, Schmuck, ...), sind Bücher unfassbar günstig. Eigentlich sogar Schnäppchen. Dennoch nimmt die Bereitschaft, für Bücher Geld auszugeben oder eine andere, damit vergleichbare Gegenleistung (Rezensionen, Mundpropaganda) zu erbringen, massiv ab. Das bricht freien Autoren wie mir letztlich das Genick.

 

Ich habe unvorstellbar vieles ausprobiert, um mir eine Bekanntheit zu erarbeiten und meinen Platz in der Literaturwelt zu finden. Lesungen auf großen Buchmessen ebenso wie bei kleineren Events, Werbung auf Facebook und Amazon, Zeitungsinterviews, Rezensionsexemplare, Leserunden auf Lovelybooks, ein Hörspiel fürs Radio. Ich habe Buchhändler und Büchereien angeschrieben, Preis- und Rabattaktionen ausgerufen, die Cover meiner Bücher professionell designen lassen. Alles privat, alles aus eigener Tasche finanziert, alles getrieben durch Leidenschaft und Motivation.

 

Am Ende hat das nichts genützt.

 

Eine Fanbase konnte ich mir zwar aufbauen - sie ist aber so klein, dass sie kaum einen Unterschied macht. In den sozialen Medien folgen mir mehrere Hundert Menschen - die allermeisten scheinen sich aber gar nicht für meine Arbeit zu interessieren. Ich habe ein paar Hundert Bücher verkauft - einen langfristigen Effekt hatte das aber nicht, geschweige denn, dass ich damit meine Kosten hätte decken können. Ich habe durchgehend sehr positive Rezensionen und viel Lob für meine Bücher erhalten - allerdings ebenfalls ohne nennenswerten Einfluss auf meine Bekanntheit.

 

Besonders hart getroffen hat mich in all dieser Zeit das geradezu dreist unverschämte Verhalten mancher Menschen. Ich musste fassungslos miterleben, wie Leute immer wieder geduldig abgewartet haben, bis ich meine Bücher umsonst abgegeben habe, nur um dann freudig die Hand zu heben und "abzustauben". Selbst Preisnachlässe von 20 oder 50 % wurden ignoriert. Wohlgemerkt: Unter diesen Leuten befanden sich beileibe nicht nur solche, denen ich als Autor unbekannt war, sondern auch jene, die bereits Bücher von mir gelesen haben, sie gut fanden und mir seit Jahren in den sozialen Medien folgen. Sorry, Leute, aber so sieht keine Unterstützung aus! Es zeugt auch nicht von Respekt gegenüber dem Autor und seiner harten Arbeit. Das ist kein Fan-Verhalten, sondern Schmarotzertum!

 

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, meine Arbeit als Schriftsteller zu beenden.

 

Ich werde keine weiteren Bücher mehr schreiben oder veröffentlichen. Es wird keine Hörspiele, Lesungen oder sonstigen Events mehr mit mir geben. Die Arbeit an meinem fünften Roman "Stadt der Seelen" habe ich abgebrochen, er wird nicht mehr fertiggestellt werden (Ihr könnt den bisherigen Arbeitsstand aber hier kostenlos lesen). Die bisherigen Bücher belasse ich im Verkauf, allerdings nur noch als E-Books. Weitere Formate werde ich nicht anbieten. Meine Autoren- und Facebookseite lasse ich online, ebenso meinen Podcast und meinen YouTube-Kanal, alles andere wird abgeschaltet und eingestellt.

 

Ich weiß, dass sich das vor kurzem noch anders angehört hat, aber ich musste mir eingestehen, mir etwas vorgemacht zu haben. Es tut mir unfassbar weh, diesen Schritt zu tun, doch ab einem bestimmten Punkt ist es wichtig, aufrichtig zu sich selbst zu sein und den Tatsachen ins Auge zu sehen. Mein eingeschlagener Weg ist gescheitert. Meine Kräfte sind aufgebraucht. Ich bin erschöpft und desillusioniert. Das ist nicht schön, beileibe nicht! Es ist der traurigste Moment meiner Laufbahn. Doch leider weiß ich keine Alternative. Und mit dieser Einstellung kann und will ich keine Bücher mehr schreiben.

 

Nichts desto trotz möchte ich all jenen ein riesengroßes Dankeschön aussprechen, die mich bis hierhin unterstützt und mir als Fans wahrhaft die Treue gehalten haben. Ihr werdet stets einen Platz in meinem Herzen haben, und es tut mir wahnsinnig leid, Euch mit dieser Entscheidung zu enttäuschen. Ich hoffe, Ihr versteht es.

 

Natürlich könnt Ihr mir jederzeit gerne Eure Meinung dazu sagen. Ich freue mich über jedes Feedback.

 

Viele Grüße,

Marco Born-Miljak


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